Auf den Schultern eine Last von Scheitern

Die Stimmen, die auf die Königin des Weltalls einreden, reizen ihr zartes Gemüt auf das Äußerste. Von solchen fürchterlichen Heimsuchungen erholt sie sich unter einer Baumkrone unweit des Portikus, der zu ihren Ehren auf Peacock Island errichtet worden ist. Der Barometrograph schreibt unterdessen mit, was in ihrem Innersten vor sich geht.

Kürzlich die Beobachtung einer religiösen Verzückung der Grete G. vom 9. Januar 1945.

 

"Lieber Heiland, gar nicht weinen, lieber Heiland!" Nun duckt sie sich sehr. Dann fährt sie fort: "Heiland, ich hab dich lieb! Ich helf dir gleich. Nicht hauen! Nicht weinen liebe Mutter. Die ... nicht lieb. Ich helf dem Heiland. Heiland ich hab dich lieb." Bald darauf geht eine neue Erschütterung durch den Körper. Zitternd schrickt sie wiederholt zusammen. "Nicht hauen!" Nun sinkt der linke Arm herunter. Sie hält die Hand vors Gesicht und lacht. Dann nimmt sie die Hand weg. 

Wie Friede und Freude liegt es auf ihrem Gesicht. Dann legt sie sich auf die Seite und erwacht.  Sie fragt: "Wer da war? Der Heiland ist lieb. Morgen! Ist lieb! Hat nichts gesagt. Dann wollte ich ihn lieb nehmen. Dann wollte ich ihn einmal tüchtig so lieb nehmen. Hab ihn gar nicht mal ... hab ihn so lieb gehabt und nicht so lieb gehabt. Durfte ich so lieb haben? Einmal so?" Dabei streichelt sie ihre Backe. "Die Engel haben gelacht. Dumm. Die können schön lachen. Was die haben? So’n Loch in der Backe. Der Heiland hat das auch. Da ein bißchen. Das sieht schön aus."

 

Arthur Baron von Aktaion, der auf seinen abendlichen Rundgängen durch den ethnomaieutischen Forst schon am Rauschen der Baumkrone das Leid der Königin erkennt, begleitet sie nach verrichtetem Gebet auf einen nächtlichen Umtrunk in den Weinkeller an der Rue de Culinaire. Und immer, wenn in den Stimmen die Engel gelacht haben, kehrt die Königin des Weltalls erst in den Morgenstunden in den Portikus zurück.


Die Königin des Weltalls. Erschöpft.
Die Königin des Weltalls. Erschöpft.